Winterruhe: Check

Titelbild zum Post: "Winterruhe: Check". Das Bild zeigt ein Reagenzglasnest mit einer Messor barbarus Kolonie

Während der Winterruhe sollte man die Ameisen nicht gänzlich sich selbst überlassen, sondern regelmäßig kontrollieren, ob alles in Ordnung ist. Heute habe ich meine wöchentliche Kontrolle gefilmt:

Im Wesentlichen sollte man die nachfolgenden Dinge beachten.

Trockenheit ist tödlich

Eine der häufigsten Todesursachen der Ameisen während der Winterruhe ist nicht die niedrige Temperatur, wie man evtl. zunächst vermutet, sondern das Austrocknen der Kolonie. Ameisen benötigen nämlich immer ausreichend Wasser und bei Erdbewohnenden Ameisenarten muss das Nest stets feucht sein.

Daher sollte man auch während der Diapause (Winterruhe) das Nest regelmäßig befeuchten, falls es zu trocken geworden ist. Natürlich ist dies während des Winters nicht so häufig notwendig wie beispielsweise im Sommer, aber mit der Zeit verdunstet das Wasser auch bei kühleren Temperaturen.

Leerer Wassertank

Das Bild zeigt den leeren Wassertank eines Reagenzglasnestes, in dem eine Messor barbarus Kolonie lebt.

Der Wassertank des Reagenzglasnestes meiner Messor barbarus Kolonie ist leer.

Bei Reagenzglasnestern kann es vorkommen, dass der Wassertank während der Winterruhe leer wird. In diesem Fall muss man auf jeden Fall handeln.

Das Bild zeigt, wie ein Stück Watte in einen Behälte rmit Wasser getaucht wird.

Ist der Wassertank leer, kann man die Verschlusswatte einfach alle 1 – 2 Wochen befeuchten.

Um die Ameisen während der Winterruhe möglichst wenig zu stören, bietet es sich an einfach die Watte, die zum Verschließen des Reagenzglases dient, alle 1-2 Wochen zu befeuchten und anschließend wieder in das Reagenzglas zu stecken.

Mit dieser Maßnahme habe ich schon recht viele Kolonien, die in einem trockenen Reagenzglasnest lebten, sicher durch die Winterruhe gebracht.

Futter

Einheimische Arten nehmen während der Winterruhe keine Nahrung auf, daher muss man ihnen weder Kohlenhydrate noch Proteine geben. Auch darf man sich von den vielen Larven nicht irritieren lassen, denn auch die stellen während der Winterruhe das Wachstum ein. Ameisenkolonien überwintern nämlich nur mit Larven und keinen anderen Brutstadien.

Südeuropäischen Arten sollte man allerdings regelmäßig (aber der Zeitraum zwischen den Fütterungen kann recht groß sein) Futter anbieten, da sie doch ab und an in der Arena auf Nahrungssuche gehen. Auch in den Herkunftsländern kann es ja im Winter durchaus einmal wärmere Tage geben, die dann von den Arten dort genutzt werden.

Auswintern

Wann man die Ameisen wieder ins Warme zurückholt, hängt zum einen von der Herkunft ab. Einheimische Arten sind in der Regel 6 Monate in der Winterruhe (September bis Februar). Bei Südeuropäischen Arten wird eine verkürzte Winterruhe von 3 Monaten empfohlen (November bis Januar). Allerdings sind diese Zeiträume meiner Meinung nach nicht in Stein gemeißelt. In der Natur kann es zu Schwankungen bei den Temperaturen im Winter kommen, daher ist die Winterruhe mal kürzer und mal länger.

Man sollte daher das Verhalten der Kolonie beobachten und dann selbst entscheiden, ob man sie wieder ins Warme zurückholt. Anzeichen, dass die Winterruhe vorbei ist, sind beispielsweise:

  • Larven verpuppen sich
  • Arbeiterinnen gehen wieder bzw. vermehrt auf Nahrungssuche
  • Die Arbeiterinnen haben ihre Wintertraube (viele einheimische Ameisenarten drängen sich während der Winterruhe dicht zusammen und bewegen sich fast nicht) aufgelöst

Viel Spaß in der neuen Ameisensaison

Ich hoffe, dass meine Tipps euch helfen die Ameisen sicher aus der Winterruhe in die neue Ameisensaison zu bringen und wünsche euch noch viel Freunde mit euren sechsbeinigen Haustieren.

 

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4 Antworten

  1. Susanne sagt:

    Hallo!
    Meine Freundin möchte in der Schule ein Ameisenprojekt starten und ich überlege, in welchem Behältnis sie eine kleine Kolonie halten könnte, so dass sie auch mal sicher transportiert werden kann, ohne dass etwas zu Bruch geht.
    Du verwendest solche Lock n Lock Boxen. Wie klappt das mit denen so? Hält Paraffinöl gut an dem Wänden, so dass sie zum Teil offen gehalten werden können? Und da sie sind ja luftdicht sind. Wie oft öffnest du das Behältnis in der Winterruhe?
    LG

    • Barristan sagt:

      Hallo Susanne,

      Paraffinöl hält leider nicht gut bei diesen Behältern, denn das wird schnell aufgesaugt und die Ameisen können dann drüber laufen. Besser ist da Talkum (am besten Trocken mit einem Pinsel oder Wattestäbchen auftragen). Allerdings bröckelt das halt beim Transport immer etwas ab durch die Erschütterung.

      Wenn die Kolonie noch klein ist, kann man auch den extra Ausbruchsschutz verlassen und den Behälter einfach immer verschlossen halten (Luftlöcher reinmachen). Denn die Ameisen werden erst ab einer gewissen Koloniegröße die Wand senkrecht hochlaufen, bzw. falls doch mal eine einzelne Ameise am Deckel ist, kann man sie einfach durch Klopfen wieder entfernen, bevor man den Deckel öffnet.

      Ich schaue alle 1-2 Wochen mal nach in der Winterruhe, aber hauptsächlich, um zu sehen, ob das Reagenzglas noch Wasser drin hat. Austrocknung ist eine häufige Todesursache während der Winterruhe.

      Liebe Grüße

      Andreas

      • Susanne sagt:

        Vielen Dank!
        Mit dem Parrafinöl werde ich mal experimentieren.
        Es sollen Lasius Niger rein.
        Denkst du, ich kann die Luftlöcher mit der dünnsten Kanüle aus der Apotheke reinpieken? Sollte doch klein genug sein.
        LG

        • Barristan sagt:

          Man kann auch Babypuder statt Talkum nehmen, das besteht auch zu einem Großteil aus Talkum.

          Ich habe keine Ahnung, wie dünn die Kanülen sind. Ich verwende auch gerne Gaze aus Edelstahl mit 0,5mm Maschenweite. Durch die Löcher, die in Heimchendosen sind, kommen kleinere Lasius niger Arbeiterinnen durch.

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