Exotische Ameisenarten, eine Gefahr für unsere Umwelt?

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Polyrhachis dives Arbeiterin: Ein gefährlicher Exot?

Wer sich mit dem Hobby Ameisenhaltung beschäftigt, der wird früher oder später auf Threads in diversen Foren stoßen, in denen vor den großen Gefahren von exotischen Ameisenart für unsere Umwelt gewarnt wird. Da dort leider nur sehr einseitig auf die Gefahren eingegangen wird, will ich nun einige Überlegungen anstellen, die zeigen, dass die Gefahr, die von exotischen Ameisen ausgeht, maßlos übertrieben wird.

Gefahr durch Ausbreitung in der freien Natur

Öfters wird angeführt, dass die Gefahr besteht, dass exotische Ameisenarten hier invasiv werden könnten. Natürlich besteht grundsätzlich die Möglichkeit, dass dies eintreten könnte, allerdings sprechen einige Fakten für eine eher geringe Wahrscheinlichkeit, dass dies passieren wird.

Nur sehr wenige Ameisenarten sind invasiv

In der Datenbank der Invasive Species Specialist Group werden Arten aufgeführt, die irgendwo auf der Welt invasiv sind. Dort kann man z. B. auch abfragen, welche invasiven Ameisenarten es weltweit gibt. Laut der Abfrage gibt es lediglich 30 invasive Ameisenarten weltweit. Zur Zeit (14.09.2015) gibt es 13152 Ameisenarten. Es sind also lediglich 0,23 % aller Ameisenarten invasiv.

Keine einzige invasive Ameisenart wurde durch den Handel eingeschleppt

Bis jetzt wurde keine einzige der invasiven Ameisenarten durch den Handel mit Ameisen eingeschleppt. Die bisherigen invasiven Ameisenarten wurden mit dem Warenverkehr oder mit Pflanzen eingeschleppt.

Tropische Arten überleben unseren Winter nicht

Tropische Arten, die recht beliebt sind, weil sie keine Winterruhe benötigen, sind im Freiland nicht überlebensfähig. Sie würden einen Winter (selbst wenn er mild ist) nicht überstehen.

Beispielsweise entkam 2006 eine Blattschneiderameisen Kolonie. Obwohl der Exotengegner Herr Buschinger folgendes verkündet hat:

Denn anders als bisher angenommen, müsse man damit rechnen, dass sich die fremde tropische Art auch an kühleres Klima anpassen und sich somit weiter ausbreiten könne. „Da in Köln über wiederholtes Auftreten geflügelter Geschlechtstiere berichtet wurde, könnten bereits weitere Kolonien gegründet worden sein“, heißt es in dem Schreiben. Der Zoologe hält eine Bekämpfung für äußerst schwierig. Buschinger empfiehlt, die Hohlräume, in denen die Ameisen nisten, zu öffnen und dort reichlich Insektizid einzusprühen.

,hat man seit dem nichts mehr von dieser Kolonie gehört.

Verwunderlich sind seine Aussagen auch, weil er 2005 noch folgendes zum Thema Blattschneiderameisen gesagt hat (Beitrag nur mit Account im Ameisenforum einsehbar):

Vielleicht haben Sie bei Ihrem Studium dieses Forums auch schon bemerkt, dass ich kaum etwas gegen die Haltung von Blattschneider-Ameisen sage. Für die gilt Ähnliches: Sie können weder im Freien noch in Gebäuden bei uns überleben. (Das Risiko eingeschleppter Parasiten besteht gleichwohl).

Es ist schon seltsam, wie schnell man seine Meinung ändern kann. Wollte man wohl nur die Gunst der Stunde damals nutzen, um mit Hilfe der Presse gegen die Haltung von exotischen Ameisen wettern zu können?

Gefahr durch Parasiten und Krankheiten

Natürlich gibt es bei Ameisen Parasiten und auch Krankheiten, aber besteht eine akute Gefahr, dass exotische Arten diese auf unsere einheimische Arten übertragen?

Kein gebietsfremder Ameisenparasit oder gebietsfremde Ameisenkrankheit bekannt

Während es ja immerhin invasive Ameisenarten gibt, so ist bis jetzt kein einziger Fall eines Ameisenparasiten oder einer -krankheit bekannt, welche(r) sich bei Ameisen in Ländern ausgebreitet hat, wo es diesen Parasit oder diese Krankheit bis jetzt nicht gab.

Ständig Freigänge in Zoos oder botanischen Gärten

In so gut wie jedem Zoo oder Botanischem Garten findet man exotische Ameisenarten. Diese können auch ungehindert in die Freiheit gelangen und kommen dort auch sicher mit einheimischen Arten in Kontakt. Trotzdem siechen unsere einheimischen Ameisenarten nicht dahin und erfreuen sich guter Gesundheit.

Vermehrte Fälle von geheimnisvollem Siechtum und Todesfälle bei Ameisen?

2007 vermeldete Herr Buschinger eine Zunahme von Fällen geheimnisvollem Siechtums und Todesfällen bei Ameisen:

Zurzeit mehren sich Fälle von scheinbar geheimnisvollem Siechtum und Todesfällen bei einheimischen und exotischen Ameisen in Heimhaltung. Ich werde mit Anfragen bombardiert und um Untersuchung der Ursachen gebeten. Ist der Ernstfall bereits eingetreten?

Ja ist denn der Ernstfall eingetreten? Mehr als 8 Jahre nach der Meldung könnte uns ja Herr Buschinger ein Update dazu liefern. Aber vermutlich handelte es sich damals um eine ähnliche Übertreibung wie bei den Kölner Blattschneiderameisen.

Exotengegner sind selbst nicht konsequent

Ich bin immer wieder erstaunt, dass Leute, die scheinbar davon überzeugt sind, dass eine hohe Gefahr von exotischen Ameisen ausgeht und immer Herrn Buschinger zustimmen, selber exotische Ameisen halten. Da frage ich mich wirklich, wie das überhaupt zusammenpassen kann? Wenn ich ein Vegetarier bin und jeden Fleischesser von dieser Art zu überzeugen versuche, esse ich doch auch nicht Mittags ein leckeres Schnitzel.

Natürlich treffen die ganzen Gefahren, die man immer wieder bei Ameisen aufführt auch auf andere Tiere und Pflanzen zu. Wenn man so überzeugt von den Gefahren von exotischen Ameisen ist, warum hat man dann trotzdem noch einen Garten und ein Haus voller exotischer Pflanzen? Noch dazu, wenn man bedenkt, dass viele der invasiven Ameisenarten eben mit exotischen Pflanzen eingeschleppt wurden. Da sollte man doch ein gutes Vorbild sein und alle exotischen Pflanzen aus dem Garten/Haus verbannen.

Fazit

Wie man sieht werden die Gefahren oftmals völlig übertrieben dargestellt. Auch angebliche Schreckensszenarien sind bis jetzt nicht eingetreten. Irgendwie erinnert mich das ganze an die Angst vor dem Schwarzen Loch durch den LHC. Auch wenn man nicht ausschließen kann, dass gebietsfremde Ameisenarten durch den Handel eingeschleppt werden oder sich Krankheiten/Parasiten auf einheimische Arten übertragen können, so ist die Wahrscheinlichkeit doch verschwindend gering.

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