Lasius niger: Doch nicht so umzugsfaul?

Es heißt ja immer Lasius niger seien umzugsfaul, aber sind sie das wirklich?

Seit etwas über einem Monat halte ich meine größte Lasius niger Kolonie vom Schwarmflug 2015 in einem Gipsnest mit integrierter Arena. Bis gestern machten sie keinerlei Anstalten umzuziehen. Jetzt werdet ihr sicher sagen: „Ja also sind sie doch umzugsfaul!!!“. Bis gestern dachte ich das auch…

Gestern stellte ich das Formikarium in die Nähe einer Heizmatte und was passierte? Innerhalb von 30 Minuten begannen sie mit dem Umzug ins neue Nest. Insgesamt dauerte der Umzug über zwei Stunden. Das ganze habe ich gefilmt und zu einem kurzen Video zusammengefasst:

 

Auch am nächsten Tag sind sie noch in ihrem neuen Nest und scheinen sich recht wohl dort drin zu fühlen:

Ein Blick in das nun bewohnte Gipsnest.

Ein Blick in das nun bewohnte Gipsnest.

Die Frage ist also, sind die Ameisen wirklich umzugsfaul oder ziehen sie lediglich aus anderen Gründen nicht um?

Evtl. sollte man sich zunächst fragen, warum Ameisen überhaupt von einem Nest in ein neues ziehen. Ameisen ziehen eigentlich nur um, wenn das neue Nest eine Verbesserung gegenüber dem alten Nest darstellt. Schließlich bedeutet das Nest ja Sicherheit und während eines Umzugs besteht immer die Gefahr, dass Brut und im schlimmsten Fall die Königin geraubt bzw. getötet werden kann. Also muss es etwas bringen, wenn sie das Nest wechseln.

Folgende Gründe können eine Rolle spielen:

  • Das alte Nest ist zu klein (war bei meiner Kolonie noch lange nicht der Fall)
  • Das alte Nest ist zu trocken bzw. zu feucht (Der Wassertank war noch voll)
  • Das alte Nest ist dem Licht ausgesetzt (Auch das war nicht der Fall, die Abdeckung befand sich die ganze Zeit auf dem Reagenzglasnest)
  • Das alte Nest ist zu kühl/warm

Da ich durch das Hinzufügen einer Heizmatte das neue Nest erwärmt habe, war wohl der letzte Punkt ausschlaggebend dafür, dass sie sich für das neue Nest entschieden habe.

Oft liest man ja, dass einheimische Arten keine Wärmequelle benötigen würden. Da stimme ich auch zu, es wird nicht unbedingt eine benötigt, aber ich frage mich, ob eine Heizmatte oder eine andere Wärmequelle nicht doch besser wäre, wenn die Ameisen von sich aus gerne in ein leicht beheiztes Nest ziehen? Dass einheimische Arten gerne die Wärme suchen, sieht man auch öfters daran, dass sie zum Teil in den Verbindungsschläuchen nisten, wo es minimal wärmer sein dürfte als im abgedunkeltem Nest.

Evtl. könnt ihr das ja auch mal mit euren umzugsfaulen Lasius niger Kolonien probieren. Erwärmt das Wunschnest etwas und schaut, was passiert. Aber wie immer: übertreibt es nicht mit der Wärme und erhitzt wenn möglich nur einen Teil des Nests, so dass die Ameisen zwischen unterschiedlich warmen Bereichen wählen können.

Die Kolonie ist, wie ich gestern auch noch festgestellt habe, größer als gedacht. Sie müsste etwas 30 Arbeiterinnen stark sein. Die Königin legte auch schon wieder ein neues Eipaket:

Das Eipaket, Im Vordergrund sieht man einige Puppen.

Das Eipaket, Im Vordergrund sieht man einige Puppen.

Aus den Puppen schlüpfen derzeit auch neue Arbeiterinnen:

In der rechten Hälfte des Bildes sieht man schön eine frisch geschlüpfte Arbeiterin. Deren Chitinpanzer ist noch sehr weich und hell. Er wird mit der Zeit dunkel und härter.

In der rechten Hälfte des Bildes sieht man schön eine frisch geschlüpfte Arbeiterin. Deren Chitinpanzer ist noch sehr weich und hell. Er wird mit der Zeit dunkel und härter.

Da auch noch etliche Larven vorhanden sind, nehmen sie angebotene Futterinsekten auch begierig auf:

Mehrere Lasius niger Arbeiterinnen zerlegen eine Steppengrille (Gryllus assimilis)

Mehrere Lasius niger Arbeiterinnen zerlegen eine Steppengrille (Gryllus assimilis)

Auch wenn ich denke, dass dieses Nest eine etwas bessere Belüftung aufweist (es hat größere Kammern, Gänge und auch größere Nesteingänge), so werde ich nach dem Verlust der Solenopsis fugax Kolonie den Schimmel stärker im Auge behalten.

3 Antworten

  1. Christiane sagt:

    Hi,
    wirklich ein sehr interessanter Bericht! Manche Arten scheint Licht und Schimmel leider nicht zu stören. Meine Pheidole pallidula-Kolonie lebt seit einem halben Jahr in einem RG, in dem die Watte schimmelt. Als ich das bei einer Kontrolle bemerkte, nahm ich sofort die Abdeckung vom RG ab und schloss eine Farm mit einer Sand-Lehm Mischung an.
    Da sie nach ein paar Wochen immer noch nicht umziehen wollten, dachte ich das die Kolonie vielleicht noch nicht graben wollte und bot ein abgedunkeltes RG an. Leider Interessierte sie das aber überhaupt nicht.
    Glücklicher Weise wächst die Kolonie trotz des Schimmels noch sehr gut. Ich konnte noch nie beobachten, das eine Larve schimmelte, auch wenn sie direckt an/auf dem Pilz gelagert wurde. Theoretisch könnte der Schimmel auch schon tot sein.
    Oder hast du eine Andere Idee?
    LG Fliege

    • Barristan sagt:

      Also ich habe festgestellt, dass schwarze Watte den meisten Ameisen nichts ausmacht. Es gibt ja auch viele verschiedene Schimmelpilze. Schlimm fand ich nur diesen „weißen“ Schimmelpilz, weil der sich eben rasant im Nest ausgebreitet hat und Kammer um Kammer „eroberte“.

      Der schwarze Schimmelpilz (wobei manche Leute auch sagen, dass das einfach nur der Kot der Ameisen ist) breitet sich in der Regel nicht so stark aus und bleibt an der Watte.

      Wir gehen halt auch oft bei Ameisen von unseren eigenen hygienischen Vorstellungen aus, aber für Ameisen gelten da teilweise andere. Ich sehe sie ja auch im Garten oft im Kompost vom verfaulenden Obst und Gemüse fressen (bzw. sie fangen evtl. Larven von Insekten, die sich da drin entwickeln).

      Bei Pheidole pallidula hilft zu 90% immer eine Wärmequelle, die man am neuen Nest anbringt, dann ziehen sie meist über Nacht komplett um. Wurde die Farm auch feucht gehalten? Pheidole pallidula benötigen auf jeden Fall ein feuchtes Nest.

  2. Christiane sagt:

    Danke für die Tipps!
    Ja, ich habe das Nest immer feucht gehalten, fast zu feucht. Ein weiterer Grund dafür, das sie nicht umziehen wollen kann auch sein, das die Kolonie noch relativ klein ist, und der Weg zur Farm Ihnen zu weit ist.

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