Königin mit Flügeln = unbegattet?

Häufige Diskussionen

Da es immer wieder zu Diskussionen darüber kommt, ob man Königinnen mit Flügeln überhaupt sammeln sollte, oder nicht, werde ich hier meine Sicht der Dinge darlegen.

Flügel kein ausreichendes Indiz für Begattung

Die Flügel der Königin sind allein kein ausreichender Hinweis darauf, ob eine Königin begattet ist oder nicht. Wichtig wäre dann auch noch, wo man sie gefunden bzw. gesammelt hat, beispielsweise direkt von einem Nest, oder einzeln umherwandernd.

Königinnen nicht direkt am Nest einsammeln

Man sieht viele geflügelte Ameisen der Art Camponotus vagus, die sich auf einen Schwarmflug vorbereiten.

Geflügelte Geschlechtstiere direkt am Nest, Chance, dass eine Königin begattet ist, ist wohl gleich 0.

Wenn man eine Gyne direkt von einem Nest absammelt, ist die Chance, dass sie begattet ist, gleich 0. Denn Königinnen vieler Arten benötigen erst einen Schwarmflug, den sie zur Paarung nutzen. Dabei erfolgt die Paarung zum Teil direkt in der Luft.

Also sollte man sicher keine geflügelten Königinnen direkt an einem Nest absammeln, denn das sind mit einer großen Wahrscheinlichkeit Geschlechtstiere, die erst noch einen Schwarmflug durchführen müssen und somit nicht begattet.

Das erklärt auch, warum ich nicht einfach im Garten die Königinnen von Camponotus vagus einsammle und mir eine goldene Nase verdienen kann :-).

Umherwandernde Königinnen sind wahrscheinlich begattet

Wie sieht es jetzt aber bei einzeln umherwandernden Königinnen aus? Dort ist die Chance, dass sie begattet sind, recht hoch, unabhängig davon, ob sie noch die Flügel haben, oder nicht.

Eine Königin muss nach dem Schwarmflug und der Landung erst einmal ihre Flügel abwerfen. Wie lange das dauert hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • der jeweiligen Gyne
  • ob sie relativ ungestört ist
  • wo sie gelandet ist

Bei Lasius cf. niger Schwarmflügen konnte ich im Garten das Verhalten einzelner Königinnen nach der Landung gut beobachten.

Manche warfen wenige Sekunden nach der Landung direkt ihre Flügel ab. Andere wanderte erst einige Minuten umher, bis sie dann ihre Flügel abwarfen.

Diese Lasius cf. niger Königin hat(te) andere Sorgen als ihre Flügel abzuwerfen…

Eine Landung bei einem Schwarmflug kann man gut mit einem Fallschirmabsprung über feindlichem Gebiet vergleichen. Am Boden lauern bereits unzählige Feinde (vor allem andere Ameisen), die den Tod der Gyne wünschen. Also kann es gut sein, dass eine Königin direkt nach dem Landen angegriffen wird und somit erst einmal flüchten muss. Je nach Dichte der vorhandenen Ameisenkolonien ist das Ganze ein Spießrutenlauf. Egal wohin sie geht, überall sind feindliche Arbeiterinnen, die versuchen sie zu töten. Da sie also erst einmal mit dem Überleben beschäftigt ist, hat sie gar keine Zeit ihre Flügel abzuwerfen.

Dann kann es auch gut passieren, dass eine Königin im Wasser landet. Auch hier ist die Königin erst einmal mit dem Überleben beschäftigen und wirft nicht direkt nach der Landung ihre Flügel ab.

Gynen können Flügel auch noch im Reagenzglas abwerfen

Es kann also gut sein, dass eine Königin erst einmal im Reagenzglas für einige Stunden, Tage zur Ruhe kommen muss und dann erst ihre Flügel ablegt. Es gibt sogar Fälle, dass eine Königin nie ihre Flügel abgelegt hat und trotzdem Arbeiterinnen hervorgebracht hat.

Bevor man also eine Königin mit Flügeln gleich wieder freilässt, kann man sie im Reagenzglasnest für einige Tage beobachten. Hat sie ihre Flügel abgeworfen und/oder Eier gelegt, würde ich sie behalten, denn die Chance, dass sie begattet ist, ist hoch.

Fazit

Wie ihr seht, sind die Flügel alleine kein Anzeichen, um sagen zu können, dass die Königin nicht begattet ist.

Ich möchte auch niemanden vorschreiben, wie man die Dinge handhabt. Wenn ich euch nicht überzeugen konnte und ihr immer noch der Meinung seid, dass die Gynen mit Flügeln immer unbegattet sind, dann sei es so.

Ich wehre mich jedoch vehement gegen Versuche gewisser Leute ihre eigene Meinung als allgemeingültige, unumstößliche Regel darzustellen, die alle Ameisenhalter befolgen sollten. Das Ganze erinnert mich nämlich an die düsteren Zeiten des ameisenforums vor 2014, als Aussagen wie:

Anfänger sollten immer mit einheimischen Arten anfangen

Honig ist besser als Zuckerwasser

als unumstößlich dargestellt wurden und jegliche Kritik daran von der Führungsriege nieder gemacht wurde.

Update 29.06.2019

Ich habe mich darauf geeinigt Bestimmte Passagen zu entfernen. Nun ist der Beitrag neutral und bezieht sich nicht mehr auf eine bestimmte Person.

 

 

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