Ein Jahr Haft und 6.800 Euro: Kenia verurteilt nächsten Ameisenschmuggler

Beitragsbild: Messor cephalotes Königin auf der Suche nach einem Nestplatz im Freiland von © Tamas Jegh (CC BY-NC) von iNaturalist

Nachdem bereits 2025 zwei 19-Jährige Belgier, ein Vietnamese und ein Kenianer wegen Schmuggels von Ameisen in Kenia erwischt und verurteilt wurden, hat es dieses Jahr einen chinesischen Staatsbürger erwischt. Während die Belgier damals noch die Wahl zwischen einer Geldstrafe in Höhe von jeweils umgerechnet 7000 Euro oder 12 Monate Haft hatten, hatte der Verurteilte diese Wahl nicht mehr. Er muss für ein Jahr ins Gefängnis und eine Geldstrafe in Höhe von umgerechnet 6.800 Euro zahlen.

Was genau passiert ist

Am 10. März 2026 haben Zollbeamte den Verurteilten am Jomo Kenyatta International Airport in Nairobi gestoppt, als er nach China ausreisen wollte. In seinem Gepäck fanden sie 1.948 Königinnen der Art Messor cephalotes in Reagenzgläsern sowie weitere 300 Ameisen in Taschentuchrollen versteckt, also insgesamt rund 2.250 Tiere. Laut den ermittelnden Behörden hatte der Verurteilte rund zwei Wochen in Kenia verbracht, vermutlich zum Sammeln bzw. Abholen der Tiere.

Die Ameisen fing er nicht selbst in der Savanne. Dafür gab es einen kenianischen Mittelsmann. Gegen diesen läuft ein separates Verfahren, er hat auf nicht schuldig plädiert und ist derzeit gegen Kaution auf freiem Fuß.

Laut Verhandlungsprotokoll zahlte der Verurteilte pro 100 Ameisen 10.000 Kenia-Schilling (rund 66 €) an den Mittelsmann. Das wären also 0,66 € pro Königin. Wobei die 0,66 € auch schon die Marge des Mittelsmanns enthalten. Der wird selbst nicht in der Mittagssonne Kenias hocken und Königinnen einsammeln, sondern kauft das Ganze wiederum von lokalen Sammlern. Was bei denen am Ende ankommt, dürfte noch deutlich weniger sein.

Das Urteil fiel deshalb deutlich härter aus, da der Verurteilte laut der Richterin keine Reue zeigte und da solche Fälle in Kenia in letzter Zeit zugenommen haben. Nach Verbüßung der Haftstrafe wird der Verurteilte nach China abgeschoben werden.

Messor cephalotes ist sehr beliebt

Für alle, die mit der Art nichts anfangen können: Messor cephalotes ist die größte bekannte Ernteameise der Welt, heimisch in Ostafrika (Kenia, Tansania, Äthiopien). Königinnen erreichen 22–25 mm, die Arbeiterinnen sind polymorph mit drei Kasten (Minor, Media, Major) und werden bis zu 19 mm groß. Farblich auffällig: roter Kopf, schwarzer Thorax, rotbraun gemusterter Hinterleib bei der Königin.

Gerade die Größe und Farbe machen diese Ernteameisen bei den Haltern sehr beliebt. Die Nachfrage ist also relativ hoch. Während der Verurteilte lediglich 0,66 € pro Königin gezahlt hat, werden die Königinnen oft für über 100 € an den Endkunden verkauft. Ich vermute allerdings, dass der Chinese eher ein Zwischenhändler ist, der an andere Shops weiterverkauft, daher dürfte seine Gewinnspanne etwas niedriger ausfallen. Mir wurden auch mal Messor cephalotes angeboten, als ich noch meinen Shop hatte, das waren glaube ich 35 € pro Königin, die ich hätte zahlen müssen, wenn ich größere Mengen/bulk (ab 10 Königinnen) abgenommen hätte.

Ameisenschmuggel und der Endkunde

Es gibt denke ich noch immer viele (gerade neue) Ameisenhalter, die glauben, dass die meisten Shops nur Ameisen verkaufen, bei denen sie wissen, dass diese legal gesammelt wurden, das ist aber in der Praxis oft nicht der Fall. Shops kaufen Ameisen von Zwischenhändlern zu Bulkpreisen und fragen in der Regel nicht nach, ob der Sammler in den jeweiligen Ländern eine Erlaubnis/permit hatte. Und selbst Shops, die selber sammeln, sind sehr zurückhaltend, wenn es um das Thema Sammelerlaubnis geht. Da wird dann von „Man hat Wege“ gesprochen, anstatt einfach die Sammelerlaubnis einzuscannen und zu veröffentlichen.

Da keine einzige Ameisenart auf der CITES-Liste steht, ist der Handel mit Ameisen (wie z. B. Messor cephalotes) nicht reguliert. Die einzige Einschränkung stellt das nationale Recht des Herkunftslands dar, also z. B. Kenia. Daher sollte man sich auch im Urlaub Gedanken machen, ob ein Sammeln erlaubt ist, oder nicht.

Für den importierenden Shop bedeutet das aber, dass es keine Rolle spielt, ob die Ameisen illegal im Herkunftsland gesammelt wurden, weil es den Zoll in Deutschland nicht interessiert. Die Behörden hier schauen nur bei Tieren auf der CITES-Liste genauer hin. Falls ein Tier dort aufgeführt ist, ist auch der Import illegal, außer man hat eine Sammel- und Ausfuhrerlaubnis. Und wenn es schon beim Shop keine Rolle spielt, ist es auch für den Endkunden rechtlich irrelevant. Was bleibt sind natürlich moralische Bedenken, aber da muss jeder Halter selbst in sich gehen und sich fragen, ob es für ihn/sie ok ist, dass man evtl. illegal gesammelte Tiere kauft. Alternativ kann man sich auf Ameisen beschränken, die aus Ländern kommen, in denen das Sammeln ohne Erlaubnis legal ist.

Meine Meinung

Gesetze der jeweiligen Länder sollten respektiert werden. Daher finde ich das Urteil gerecht und angebracht. Statt so häufig auf Schmuggel zu setzen, sollte der Weg über legale Sammelerlaubnisse führen. Die Länder könnten dafür sorgen, dass man eine solche Sammelerlaubnis bei nicht gefährdeten Arten (und dazu zählen auch Messor cephalotes) relativ unbürokratisch erhält und im Gegenzug erhalten die Länder dann natürlich auch einen fairen Anteil am Gewinn.

Gerade in ärmeren Ländern wie Kenia mit vergleichsweise niedrigem Durchschnittseinkommen kann das für einen zuverlässigen und legal arbeitenden Sammler eine enorme Einnahmequelle sein, die den Lebensstandard der Familie deutlich heben könnte. Und das wäre auch wesentlich fairer für die eigentlichen Sammler vor Ort. Aktuell sind die das schwächste Glied in der Kette. Sie tragen das komplette Risiko (Strafverfolgung, körperliche Arbeit in der Hitze, teilweise auch die Gefahr, von wilden Tieren erwischt zu werden), während der Zwischenhändler in Nairobi und der Shop in Europa oder Asien den Großteil der Marge einstreichen. Mit einem legalen Rahmen könnten Sammler Verträge abschließen, faire Preise aushandeln und müssten sich keine Sorgen um Gefängnisstrafen machen. Die Zusatzeinnahmen des Staats könnten dann ebenfalls für wichtige Dinge wie Gesundheitswesen, Trinkwasserversorgung, Umweltschutz usw. verwendet werden.

Für uns Halter würde das vermutlich höhere Kosten bedeuten, aber auch höhere Qualität. Gerade bei Messor cephalotes gab es oft Fälle, dass Königinnen nicht angefangen haben zu gründen und man letztlich 150 € für eine unbegattete Königin ausgegeben hat. Dann hatte man den Stress mit der Durchsetzung des eigenen Gewährleistungsanspruchs, den manche Händler leider gerne mit dem Argument „Das war ein Haltungsfehler“ abzuschmettern versuchen. Da wären dann 200 € oder gar 250 € für eine Königin, die mit einer hohen Wahrscheinlichkeit fruchtbar ist, doch ein fairer Deal, oder?

Quellen

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