In meinem Garten wohnt schon länger eine Kolonie der Gallischen Feldwespe (Polistes dominula), das Nest in einer alten Holzkiste hatte ich schon vor einer Weile entdeckt. Diese Woche habe ich mir endlich Zeit genommen und ein paar Fotos gemacht, darunter auch einige Nahaufnahmen, an denen man die typische Wabenstruktur gut erkennen kann. Grund genug, die Art hier etwas vorzustellen.


Wer ist Polistes dominula?
Polistes dominula trägt im Deutschen mehrere Namen: Gallische Feldwespe, Französische Feldwespe oder Haus-Feldwespe. Der alte wissenschaftliche Name lautete lange Polistes gallicus, das hat sich aber geändert. Inzwischen ist dieser Name an eine andere, ursprünglich mediterrane Art vergeben, die klimawandelbedingt jetzt ebenfalls in Deutschland auftaucht. Wenn also irgendwo von der „Gallischen Feldwespe“ die Rede ist, lohnt sich ein zweiter Blick, welche Art genau gemeint ist.
Von den 14 in Europa vorkommenden Feldwespenarten sind sieben in Deutschland heimisch, Polistes dominula ist davon die häufigste. Sie zählt zu den Faltenwespen (Vespidae) und wird wegen des papierähnlichen Nestmaterials auch als Papierwespe bezeichnet. Das Material dafür raspeln die Weibchen von vertrockneten Pflanzenstängeln ab und vermischen es mit einem Sekret aus den Speicheldrüsen. Daraus entsteht die charakteristische, offene Wabenstruktur ohne schützende Hülle.

Nestgründung und Koloniezyklus
Im Frühjahr gründet eine überwinterte Jungkönigin das Nest, manchmal auch mehrere Weibchen gemeinsam. Setzt sich später eine von ihnen als Königin durch, übernehmen die unterlegenen Weibchen einfache Arbeiterinnenaufgaben. Ein fertiges Nest bringt es auf etwa 50 bis 150 Zellen, bewohnt von bis zu 30 Tieren. Als Nistplatz reichen kleine, geschützte Hohlräume völlig aus, ob nun eine Holzkiste wie bei mir, ein Rollladenkasten, ein Dachziegel oder ein Pflanzrohr im Weinberg.
Ab Ende Juli schlüpfen dann die Weibchen und Männchen der neuen Generation. Im September sterben die meisten Tiere im Nest, nur die begatteten Jungköniginnen überwintern und gründen im nächsten Frühjahr neue Nester, oft sogar am selben Standort.

Friedlich, trotz Wespenimage
Der wichtigste Punkt, den ich hier loswerden will: Feldwespen sind ausgesprochen friedfertig. Das Nest wird kaum verteidigt, selbst wenn man sich näher heranwagt, bleiben die Tiere ruhig. Ich konnte bei meinen Nahaufnahmen problemlos bis auf wenige Zentimeter herangehen, ohne dass eine der Wespen aggressiv reagiert hätte. Angriffe gibt es praktisch nur bei direkten Erschütterungen oder Manipulationen am Nest selbst.
Woran erkennt man Feldwespen im Flug? Ein einfaches Merkmal hilft dabei, ohne dass man die Tiere erst einfangen muss: Feldwespen lassen ihre beiden Hinterbeine im Flug lang nach unten hängen, fast wie ein Fahrwerk. Deutsche und Gemeine Wespe halten die Beine dagegen eng am Körper. Dazu kommt die Statur: Feldwespen wirken insgesamt schlanker und gestreckter, mit einem deutlich schmaleren Übergang zwischen Brust und Hinterleib als bei den kompakteren, gedrungeneren „echten“ Wespen.
Das unterscheidet sie deutlich von der Deutschen oder Gemeinen Wespe, die für den schlechten Ruf der „Wespenplage“ im Spätsommer eigentlich verantwortlich ist. Feldwespen erscheinen nicht am gedeckten Kaffeetisch und interessieren sich nicht für Kuchen oder Grillfleisch. Stattdessen sind sie fleißige Insektenjäger: Für die Brut tragen sie große Mengen Fliegen und Raupen ein, gelegentlich auch kleine Spinnen. Nebenbei naschen sie an Blütennektar und übernehmen so nebenbei etwas Bestäubungsarbeit.
Deshalb: Ein Feldwespennest muss man nicht entfernen. Von Menschen ausgehende Störungen oder gar Schäden sind bei dieser Art nahezu ausgeschlossen, das bestätigen auch NABU und andere Naturschutzverbände unabhängig voneinander. Wer ein Nest wie meins in der Holzkiste findet, kann es einfach in Ruhe lassen und den Tieren beim Treiben zusehen. Im Herbst stirbt die Kolonie ohnehin von selbst ab, oft bleibt nur ein leeres Nest zurück, das man dann gefahrlos entfernen könnte, wenn es stört.
Fazit
Mein Fund in der Holzkiste, den ich schon eine Weile im Blick habe, war ein schöner Anlass, mal wieder genauer hinzuschauen, was sich abseits der Ameisenhaltung im Garten tut. Polistes dominula ist ein gutes Beispiel dafür, dass „Wespe“ nicht automatisch „Problem“ bedeutet. Wer ein Nest entdeckt, kann getrost abwarten und beobachten, statt gleich zum Insektenspray zu greifen. Nützlich sind die Tiere obendrein, als Schädlingsbekämpfer für Fliegen und Raupen im Garten.