„Schalten Sie doch besser erst das Denken ein“ – Prof. Buschinger und der 16-jährige Markus

Wer die aktuelle Selbstdarstellung von Prof. Dr. A. Buschinger kennt, der sollte sich mal das Jahr 2004 anschauen. Da war er noch in Vollbesitz seiner rhetorischen Mittel, und er hat sie gerne eingesetzt. Auch gegen Minderjährige.

Der Beitrag

Screenshot des Forenbeitrags von Markus
Screenshot des Forenbeitrags von Markus (da der Zugriff nur als registrierter Benutzer möglich ist)

Am 2. März 2004 schrieb ein Forennutzer namens Markus im Ameisenforum. Er war 16 Jahre alt. Sein Argument war simpel und menschlich: Ameisenhalter-Shops haben Mitarbeiter, die von irgendwas leben müssen. Das ist kein revolutionärer Gedanke, das ist Alltagsverstand.

Screenshot des Forenbeitrags von Professor Buschinger.
Screenshot des Forenbeitrags von Professor Buschinger (da der Zugriff nur als registrierter Benutzer möglich ist)

Buschingers Antwort: „Ach du liebes Bisschen! Jetzt kommen mir doch glatt die Tränen, tropf, tropf…!“

Er stellt Ameisenshop-Betreiber in eine Reihe mit Betrügern, Dieben, Räubern und Wilderern. Und er schließt seinen Beitrag mit dem Satz: „Schalten Sie doch besser erst das Denken ein, bevor Sie solchen xxxxx von sich geben!“

Das war an einen 16-Jährigen gerichtet. Von einem Professor.

Das Edit am nächsten Tag

Einen Tag später ergänzt Buschinger seinen Beitrag per Edit. Er schreibt: „Sie sind zwar erst 16, und vielleicht kommt’s erst noch im Sozialkunde-Unterricht.“

Das ist der Moment, wo er gemerkt hat, dass er einen Teenager angefahren hat. Und seine Lösung ist kein Einlenken. Es ist ein herablassendes Nachhilfeangebot: Sozialstaat erklärt für Anfänger, garniert mit dem Unterton „du bist halt noch ein Kind, du weißt es halt noch nicht besser.“

Wer sich entschuldigt, schreibt keine Sozialkunde-Lektion. Wer sich schämt, löscht den Beitrag. Buschinger macht weder das eine noch das andere, er stapelt einfach weiter drauf.

Was das mit der Opfernarrative zu tun hat

Heute ist Buschinger 86. Das wird in Diskussionen gerne erwähnt, als Schutzschild, als Kontext, als impliziter Appell zur Zurückhaltung. „Er ist halt alt.“

2004 war er 64. Kein junger Hitzkopf mehr, sondern ein emeritierter Professor mit jahrzehntelanger Lehrerfahrung. Jemand, der beruflich daran gewöhnt sein sollte, mit Menschen umzugehen, die weniger wissen als er. Jemand, der weiß, was es bedeutet, wenn ein 16-Jähriger im Forum seine Meinung schreibt und dafür mit Tränen-Sarkasmus und „xxxxx“ abgewatscht wird.

Das „ich bin 86″-Argument funktioniert als Opfernarrative nur, wenn man die Vergangenheit ausblendet. Diese Dokumentation ist dafür da, dass das nicht so einfach gelingt.

Fazit

Markus hat 2004 einen normalen menschlichen Gedanken geäußert. Er hat dafür eine Reaktion bekommen, die einem 16-Jährigen gegenüber schlicht unangemessen ist, unabhängig davon, ob man Buschingers Grundposition zum Exotenhandel für richtig hält oder nicht. Der Ton macht die Musik, und dieser Ton klingt 22 Jahre später genauso unangenehm wie damals.

Wer sich heute als Opfer einer aggressiven Ameisenhalter-Szene darstellt, sollte erklären können, wie er 2004 mit einem Teenager umgegangen ist.

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